Wein:Weinanbaugebiet Friaul

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Flagge von Friaul-Julisch Venetien
Lage von Friaul-Julisch Venetien in Italien
Die Provinzen Friauls

Das Weinanbaugebiet Friaul-Julisch Venetien (kurz: Friaul, ital. Friuli) ist ein Weinanbaugebiet im äußersten Nordosten Italiens, an der Grenze zu Istrien, also an der Grenze zu Slowenien im Osten und Österreich im Norden. Die Hauptstadt der Region ist Triest.

Historische Forschungen belegen, dass im Friaul schon seit rd. 3000 Jahren Wein angebaut wird. Trotz aller historischer Veränderungen, Kriegen und Besitzverhältnisse wurde seit der Antike der Weinanbau betrieben. Inzwischen ist die Region, u.a. durch verbesserte Kellereimethoden, zur wohl angesehensten Weißweinregion des Landes geworden, wiewohl auch noch Rotweine angebaut werden.

Das Weinanbaugebiet Friaul ist mit der italienischen Region Friaul, die auch eigentlich Friaul-Julisch Venetien heißt, identisch. Man ist hier sehr stolz auf seinen Weinbau. Immer wieder wird betont, dass der Weinbau hier schon in der Bronzezeit nachgewiesen ist, also weit vor der Zeit, als der Wein durch die Großmacht Rom in diesem Gebiet verbreitet wurde.

Das kann daran liegen, dass das Friaul vom Klima sehr bevorzugt wurde. Die Alpen schützen das Gebiet von den kalten Winden, die von Norden kommen. Von der Adria im Süden kommt das maritime Klima hier sehr gut zur Entfaltung. So hat man keine späten Fröste zu befürchten, man kann auf lange warme Sommer ohne nennenswerten Niederschlag vertrauen, die Winter sind mild, der Niederschlag fällt in Schauern, und Schnee ist äußerst selten. Vom Klima ist der Winzer also auf der sicheren Seite.

Auch das Terroir bevorzugt das Friaul. Der Boden ist sehr mineralisch und locker. Zwar ist er arm an Nährstoffen, dafür kann er Feuchtigkeit gut speichern. Außerdem benötigen Weinreben keine besonders nährstoffhaltigen Böden. Die Nährstoffe, die die Reben benötigen, finden sie in den tieferen Schichten den Bodens. Durch den sehr lockeren Boden haben die Winzer das Problem, dass es sehr schnell zur Bodenerosion kommt, wenn er nicht durch Wurzeln gehalten wird, wie es bei Weinbergen oft der Fall ist. So wurden zwischen den Weinbergen auch Grasflächen und andere Pflanzen angebaut, um die Erosion zu stoppen. Auch zwischen den Reben finden sich andere Pflanzen, um die Erosion zum verhindern. Diese Technik hat sich im Allgemeinen im Friaul durchgesetzt.

Im Friaul werden sowohl Trauben für Weiß- als auch Rotwein angebaut. Dabei hat es in den letzten Jahren bei den Trauben für den Weißwein eine ganz bemerkenswerte Entwicklung gegeben. Setzte man vor noch nicht allzu langer Zeit auf international erfolgreiche Trauben und feierte damit recht gute Erfolge auf dem internationalen Weinmarkt, so ist mit dem Ausbleiben dieser Erfolge, man wurde von deutschen und österreichischen Weinen oft ein- oder überholt, eine Rückkehr zu den italienischen Rebsorten zu verzeichnen. Mit den italienischen Rebsorten kam auch wieder der Erfolg bei den Weinen. Man hatte wieder eigenständige Weine am Markt. Der Rotwein aus dem Friaul macht zwar fast die Hälfte der Weinproduktion aus, ist aber international bei weitem nicht so bekannt, wie es der Weißwein ist. Hier produziert man eher für den Verbrauch in der Region.

Die für den Weißwein zugelassenen Rebsorten im Friaul sind: Grauburgunder (hier Pinot Grigio), Weißer Burgunder (hier Pinot Bianco), Sauvignon blanc, Chardonnay, Riesling, Gewürztraminer und Müller-Thurgau als internationale Rebsorten, wobei die drei letztgenannten kaum eine Rolle spielen, sie sind ein Überbleibsel aus der Zeit, als das Friaul zu Österreich-Ungarn gehörte und man für den Kaiserlichen Hof Wein produzierte. Als einheimische Rebsorten sind zugelassen: Friulano, Ribolla gialla, Picolit, Malvasia istriana, Verduzzo und Glera.

Hochwertige und langlebige Weißweine werden in den Anbaubereichen Collio, Colli Orientali del Friuli, Friuli Isonzo und Carso erzeugt. Allerdings gibt es seit einiger Zeit Winzer, die sich auf Spitzenweine konzentrieren, die aus alten, einheimischen Rebsorten ausgebaut werden, insbesondere durch den Friulano. Hierin, in den autochthonen Sorten, vermuten Weinkenner das größte Potential an guten Weinen des Friaul.

Die bestockte Rebfläche beträgt etwa 20.000 ha, die von rund 1.500 Betrieben mit Leidenschaft bebaut wird. Alljährlich werden etwa 80 Mio. Flaschen Qualitätswein hergestellt.

Weine[Bearbeiten]

Die Weine der Region haben einen guten Ruf bei Weinkennern.

Das Friaul verfügt über 8 DOC-Weinanbaugebiete:

Angebaute Weine:
Picolit, ein Dessertwein aus dem gleichnamigen Anbaugebiet
Refosco mit der Varietät Refosco dal peduncolo rosso ("mit den roten Stielchen")
Pignolo, ein Rotwein
Ribolla gialla, ein alter Weißwein
Schioppettino, eine alte Rotweinsorte
Tazzelenghe, ein Rotwein
Friulano (bis 2007 Tocai), ein Weißwein
Friuli Annia Verduzzo, ein goldgelber Weißwein aus dem gleichlautenden Anbaugebiet Friuli Annia

und zwei DOCG-Gebiete.

  • Ramandolo
  • Picolit

13 weiße, überwiegend hochwertige Rebsorten sind zugelassen und 8 rote Rebsorten.

Anbaubereiche und das Jahr ihrer Anerkennung als DOC-Zone[Bearbeiten]

  • Colli Orientali del Friuli (1970), ein renommiertes Anbaugebiet
  • Collio (1968): Das überaus bekannte DOC- Anbaugebiet (dt. "Hügel") liegt teilweise in Slowenien, hier Brda genannt. Der Collio ist bekannt für seine Weißweine, reinsortig aus Chardonnay, Ribolla oder Sauvignon Blanc, aber auch als Cuvée verschiedener Sorten. Auf der Südflanke des Collio finden sich jedoch auch hervorragende Rotweine. Teile dieses Gebietes liegen in Slowenien. Hier gibt es eine EU-Ausnahmeregelung, dass die auf slowenischer Seite erzeugten Weine italienischer Winzer mit italienischem Etikett verkauft werden dürfen. Beim Kauf oder der Bestellung von Collio-Weinen ist eine Weinprobe unerlässlich, da es große Qualitätsunterschiede gibt, von exzellent bis scheußlich.
  • Carso (1985)
  • Friuli Isonzo (1974)
  • Friuli Aquileia (1975), einfache Weine
  • Friuli Annia (1995), einfache Weine
  • Friuli Latisana (1975), einfache Weine
  • Friuli Grave (1970)

Hinzu kommen 290 ha Rebflächen des Gebietes Lison Pramaggiore, dessen größerer Teil allerdings im Veneto liegt.

Siehe auch[Bearbeiten]